Tipps für ein Leben in Paris

Pont des Arts, Paris

Paris – die Stadt der Liebe, die Stadt des Lichts. So wird Paris gerne beschrieben. Keine andere Metropole wird wohl mehr über ein romantisches Lebensgefühl beworben, als die französische Hauptstadt. Kein Wunder, dass viele Menschen mit dem Gedanken spielen, in Paris leben zu wollen. Auch ich wurde angetrieben von einer romantischen Vorstellung eines Lebens in der Seinestadt. Leider wurde ich schnell von der Wirklichkeit eingeholt, denn Paris hat wie jede große Stadt auch viele Schattenseiten, deren man sich aber erst dann so richtig bewusst wird, nachdem man einige Zeit hier verbracht hat. Ich wäre damals dankbar gewesen, das Wissen, das ich jetzt habe, vor meiner Abreise gehabt zu haben. Vieles wäre mir sicher leichter gefallen – und wer weiß, vielleicht hätte ich mir es sogar anders überlegt… Deshalb möchte ich heute all denen, die vorhaben, in Paris dauerhaft Fuß zu fassen, ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

#1: Parlez-vous Français?

Wenn ich jemanden von allen Tipps, den allerwichtigsten nennen müsste, damit das Auswandern nach Frankreich oder Paris kein komplettes Desaster wird, dann wäre das das frühzeitige erlernen der Sprache. Nun gut, mag da der eine oder andere sagen, die Sprache lernt man immer im Land am besten. Darauf kann ich nur erwidern, dass man in Frankreich ohne Basics nicht weit kommen wird, denn die Mehrheit der Bevölkerung spricht, wenn überhaupt, nur schlecht als recht Englisch, geschweige denn Deutsch, und wenn doch, sind Franzosen sehr stolz auf ihre Sprache und würden z.B. in öffentlichen Einrichtungen, Banken oder Geschäften nur im äußersten Notfall in die Fremdsprache wechseln. Um eine Wohnung zu mieten, eine Stromrechnung (!) zu erhalten (die, wie ihr gleich nachlesen könnt, euch Türen und Tore öffnen wird, jaja) oder ein Konto zu eröffnen ist es einfach unabdingbar, korrekte Französischkenntnisse vorzuweisen.

#2: die Stromrechnung

Jetzt wundern sich bestimmt viele, was denn eine Stromrechnung auf Platz 2 meiner ParisExpatListe zu suchen hat. Tja, das versteht jeder, der schon einmal versucht hat, in Frankreich eine Wohnung zu mieten, ein Konto zu eröffnen, in die Sozial- und somit Krankenversicherung aufgenommen zu werden, einen Handyvertrag abzuschließen, sich an der Uni einzuschreiben, sein Kinder in der Schule anzumelden etc. Denn in Frankreich dient die Stromrechnung (ja, es ist wirklich kein Witz!) als allgemein gültiger Adressnachweis!!! In Deutschland gibt es dafür die Meldepflicht, die bei jedem Umzug unerlässlich ist, um einen aktuellen Adressbescheid zu bekommen. In Frankreich gibt es diese Meldepflicht nicht (zumindest nicht für EU-Bürger). Ich muss immer noch schmunzeln, wenn mir mein Bruder die Story erzählt, als er sich beim Rathaus seines Bezirkes vorgestellt hat, um zu fragen, wo man sich denn hier anmelden müsse. Der Beamte hat ihm lediglich die Hand entgegen gestreckt und gesagt „Vous êtes Allemand? Bienvenue en France!“ (Sie sind Deutscher? Willkommen in Frankreich!). So, jetzt denkt bestimmt jeder, es sei total einfach, an eine Stromrechnung zu kommen. Tja, das wäre eben zu schön. Denn dann wäre ja alles auch ganz einfach. Ich fasse zusammen. Für eine neue Wohnung benötige ich eine Stromrechnung als Nachweis für den letzten Wohnsitz. Ach ja, und zum Eröffnen des Kontos ja auch, damit ich ein Scheckheft bekomme, das wiederum für die Wohnung benötigt wird, um die Kaution zu bezahlen. Doch Moment mal: wie komme ich denn jetzt an die verdammte Stromrechnung, wenn ich als Neuling ankomme? Genau! Nämlich gar nicht. In diesem Fall benötigt ihr jemanden, der euch provisorisch aufnimmt und euch seine Stromrechnung plus eides-statt-abgesegnetem Schreiben bestätigt, dass ihr bei ihm wohnt. Mit diesem Schreiben geht ihr dann zur Bank und eröffnet ein Konto. Weitere Infos hierzu im Punkt #4

#3: finanzielles Backup

Frankreich ist teuer – und Paris ist es umso mehr. Wer also hierher kommt, egal ob als Student oder als Fachkraft,  sollte sich dies immer wieder ins Bewusstsein rufen (besonders während der Gehaltsverhandlungen!!!). Für Studenten ist es unheimlich schwer eine Wohnung zu finden. Für Angestellte ist es fast noch schwerer. Wieso das? Weil für Studenten in der Regel die Eltern bürgen, die Miete zu bezahlen und ein Angestellter per Gehaltszettel oder Vertrag einen Nettolohn nachweisen muss, er dreimal so hoch ist, wie die zu zahlende Miete. Soll heißen, wer sich für eine 35m2 Wohnung für 950 EUR Kaltmiete bewirbt und den Hauch einer Chance haben möchte, diese zu bekommen, muss einen Nettolohn von ca. 3000 EUR vorweisen können. Zur Information: der Mindestlohn brutto liegt in Frankreich derzeit bei 1.460 EUR (zum Errechnen des Nettolohnes etwa 24% Steuern und sonstige Abgaben abziehen). Neben der Miete sind auch alle weiteren Lebenshaltungskosten erheblich höher als in Deutschland: Benzin, Lebensmittel, Haushaltsartikel, Drogerieprodukte, Restaurants etc. Vieles kostet hier beinahe das Doppelte.

#4: ein Bankkonto eröffnen

Wie oben schon erwähnt gehört das Eröffnen des Kontos ganz oben auf die ToDo-Liste für Frankreicheinwanderer. Dazu werden allerlei Papiere benötigt, wie u.a eben der Wohnungsbescheid die Stromrechnung, eine Kopie sowie das Original des Passes, der Arbeitsvertrag oder die letzten drei Gehaltszettel (bzw. jeder andere Einkommensnachweis). Erkundigt euch bei unterschiedlichen Banken nach deren Konditionen bzw. Kontoführungskosten, anfallenden Kosten im Falle eines überzogenen Kontos… Es gibt hier große Unterschiede. In der Regel bekommt man von der Bank innerhalb einer Woche eine Visa-/ Kreditkarte sowie ein Scheckheft gestellt.

#5: eine Wohnung finden

Insbesondere in Paris, aber auch in Frankreichs Großstädten generell, herrscht akuter Platzmangel. Und laufend kommen mehr Menschen in die französische Hauptstadt. Nachdem bekanntlich die Nachfrage das Angebot und den Preis bestimmt, ist es entsprechend schwer, eine Wohnung in Paris zu finden und fast ein Ding der Unmöglichkeit, eine günstige Wohnung zu ergattern. Wer als Student nach Paris kommt, sollte sich unbedingt über sein Austauschprogramm informieren, ob eine Wohnungsvermittlung möglich ist. Die Cité Universitaire zum Beispiel bietet begehrte Unterkünfte für Studenten an. Wer über den klassischen Wohnungsmarkt sucht, sollte seine Suche sobald als möglich beginnen, sprich also lange vor der geplanten Abreise. Die bekanntesten Wohnungsplattformen im Netz sind A vendre à louer und PAP. Hilfreich für Studenten ist ein Bürgschaftsschreiben (auf Französisch) der Eltern, die im Ernstfall für nichtbezahlte Mieten aufkämen. Diese Bürgschaften werden übrigens selbst bei Berufstätigen gerne gesehen…

#6: Höflichkeitsformeln

Franzosen entschuldigen sich ständig. Ich finde es selbst nach all den Jahren manchmal immer noch ziemlich übertrieben, wie sehr Franzosen doch im Alltag auf Höflichkeit setzen. Das soll heißen: Wer irgendwo durch möchte bzw. jemandem einem im Weg steht, entschuldigt sich und sagt „Excusez-moi, s’il vous plait?“. Genauso, wenn man versehentlich jemanden zu sehr berührt oder im Vorübergehen anstößt. Oder man benötigt eine Auskunft…  Dass „Bitte“ und „Danke“ genauso fester Bestanteil im französischen Vokabular sein sollten wie in Deutschland, dürfte sich von selbst verstehen. Franzosen sehen es außerdem gar nicht gerne, wenn jemand sich in der Reihe vordrängelt und in öffentlichen Verkehrsmitteln wird, wenn überhaupt, nur ganz leise gesprochen. Auch meiden viele die direkten Blicke anderer. Absolutes No-Go: sich im Restaurant selbst einen Platz aussuchen.

#7: Land und Leute

Natürlich kann man ein ganzes Land samt seiner Einwohner nicht in einem kurzen Blogabsatz generalisieren. Man kann aber schon sagen, dass viele Pariser gestresst sind. Das heisst, sie wirken oftmals unhöflich, kalt und schnell leicht genervt. Das liegt daran, dass der Alltag sehr anstrengend ist. Immer und überall viele Menschen, Gedrängel, Lärm, Schmutz, Streiks, nicht-funktionnierende, überfüllte oder verspätete S-Bahnen usw. Ich finde aber auch, dass man, sobald man aus der Ile-de-France draussen ist, doch erstaunlich häufig dem Bilderbuchfranzosen begegnet, also dem, der alles nicht so ernst nimmt, das Leben liebt und genießt – und andere an diesem Lebensgefühl gerne teilhaben lässt (vorausgesetzt man kann sich verständigen, wo wir wieder beim Punkt #1 wären…).

#8: Durchhaltevermögen

So, wer sich spätestens nach #5 nicht hat abschrecken lassen und immer noch den Traum vom Leben in Paris verwirklichen will, dem möchte ich mit diesem letzten Punkt noch eins sagen: Durchhalten! Auch wenn der Anfang schwer sein mag, auch wenn man ab und an Lust hat das Handtuch zu schmeissen, zurück in seine Komfortzone zu kriegen, dem rate ich: überleg es dir nocheinmal und beisse die Zähne zusammen 😉 Denn wenn auch der Alltag im Ausland, und ich denke, dies trifft für alle Expats zu, manchmal anstrengend, frustrierend und schockierend sein kann, ist er doch gleichermaßen aufregend, bereichernd und einzigartig!

 

Viel Erfolg allen, die vorhaben, bald die Koffer zu packen 🙂

Schreibt mir gerne, falls ihr Fragen oder Anregungen habt, oder mir von euren eigenen Erfahrungen im Ausland berichten möchtet.

Ich freue mich,

Eure Karo

P.S. Und allen, die gerne erst einmal nur in Gedanken in Paris spazieren gehen wollen, hier noch eine Buchempfehlung:

Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestEmail this to someoneShare on Google+Share on Tumblr

3 comments on “Tipps für ein Leben in Paris”

  1. hiwi sagt:

    Liebe Karo, bisher war dies der hilfreichste Blog – ich danke Dir von ganzem Herzen!
    Glaubst du, wir könnten einmal in Ruhe und privat austauschen? ich habe so viele Fragen 🙂
    Liebe Grüsse

  2. Tiffany Forschirm sagt:

    Liebe Karo

    Ich finde dein Blog super und sehr amüsant 🙂

    Mein Name ist Tiffany und ich komme aus der Schweiz. Gerne würde ich nach Paris gehen um meine französisch Kenntnisse auf fordermann zu bringen. So ca für 4-5 Monate. Jedoch weiss ich nicht so recht in welchem Viertel ich mir ein Zimmer suchen soll. Hättest du mir da vielleicht einige Ideen? Ich bin 21 und werde alleine nach Paris fahren, darum möchte ich in einem „sicheren“ aber doch lebendigem Viertel wohnen.

    Vielen lieben Dank für dein baldiges Feedback.
    Liebe Grüsse
    Tiffany

    1. Karo sagt:

      Liebe Tiffany,

      Vielen Dank für Deine Nachricht – die ich leider erst heute Abend entdeckt habe. Ich hoffe, meine Antwort nützt dir jetzt überhaupt noch etwas… Es gibt einige sehr sympathische Viertel – leider eben auch sehr sehr teuer. Aber toll sind auf jeden Fall das Marais-Viertel (3. Arr.), das Viertel bei Saint Germain des Prés (6. Arr.) oder das Quartier Latin (5. Arr.). Weniger empfehlenswert wären dann die Viertel eher im Norden (19. Arr.) bzw. rund um den Gare du Nord und Gare de l’Est, das Viertel bei Pigalle (18. Arr.) – dort fand ich es immer sehr schmuddelig. Die teuersten sind sicher das 16. Arr., das 8. Arr. das 9. Arr. und das 2. Arrondissement.
      Alles Gute für Deinen Aufenthalt und viel Spass 🙂

      Karo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.