Mamasein in Frankreich: Unterschiede zwischen zwei Nachbarländern

Mamasein in Frankreich

Kürzlich hatte ich ein sehr interessantes Telefonat mit einer in Deutschland lebenden Freundin. Sie ist gebürtige Französin und lebt nun schon seit einigen Jahren in Deutschland. Vor etwas über einem Jahr wurde sie zum ersten Mal Mama. Und jetzt, nach ihrer Elternzeit, ging es nun vor ein paar Wochen wieder zurück in den Job – was auch unser Hauptgesprächsthema war. Da ja auch ich erst vor einigen Monaten wieder ins Berufsleben eingestiegen bin wollte sie wissen, wie es mir so erging und für welche Betreuung wir uns entschieden haben. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass, obwohl wir beide in einer ähnlichen Situation sind – also junge Mamas, die wieder zurück in den Beruf möchten – wir doch ganz unterschiedliche Erfahrungen machen, was den Wiedereinstieg und die Kinderbetreuung angeht. Und dabei wird mir plötzlich bewusst, was für ein Glück ich eigentlich hier in Frankreich habe.

Kinderbetreuung in Deutschland und Frankreich

Angefangen hat es bei meiner Freundin schon mit der Suche nach einem KiTa-Platz. Ich hatte doch wirklich geglaubt, dass sich in den vergangenen 12 Jahren, seit ich aus Deutschland weg bin, etwas in dieser Hinsicht getan hat. Doch anscheinend ist es immer noch äußerst schwierig einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige zu bekommen und beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, dass dieser Platz in der Nähe des Wohnortes liegt. Meine Freundin, sehr organisiert, hatte bereits in der Schwangerschaft Anträge gestellt und bis weit in die Elternzeit hinein nur Absagen bekommen. Und auch die Suche nach einer vertrauenswürdigen Tagesmutter erwies sich als schwierig, weil es einfach viel zu wenig qualifizierte Nounous gibt (wie sie bei uns in Frankreich heißen). Letztlich hat es doch mit einem KiTa-Platz geklappt und ihrer Maus scheint es nach einer etwas schwierigen Eingewöhnungszeit nun dort sehr gut zu gefallen. Dafür hat es meine Freundin auf der Arbeit umso schwerer, da ihre lieben Kollegen ihr den Wiedereinstieg ziemlich unangenehm machen. Oft wird sie gefragt, wie sie nur ihr Kind einfach so ‚abgegeben‘ könne, ob es ihr denn gar nichts ausmache, dass jemand anderes ihr Kind erziehe, dass sich das doch finanziell gar nicht lohnen würde – und letztlich wird dann gesagt: naja, bei dir in Frankreich ist das ja alles normal… Zum Glück steht ihr Lebenspartner ihr fest zur Seite, ermutigt sie, steht abwechselnd auch nachts auf und versichert ihr immer wieder, dass beide zusammen die richtige Entscheidung getroffen haben, was durch die prächtige Entwicklung ihrer Kleinen bestätigt scheint. Auch ich versichere ihr, dass es gut ist – für sie selbst und auch für das Familienleben – dass sie wieder in den Job zurückgekehrt ist, und hoffe inständig, dass sich ihre Kollegen schnell beruhigen werden.

Ich kann mich, denke ich, glücklich schätzen…

Vergleiche ich unsere beiden Situation, bin ich wirklich sehr froh darüber, wie es bei mir gelaufen ist. Die Kinderbetreuung in Frankreich bietet mehr Betreuungsalternativen als in Deutschland und auch wird längst akzeptiert, dass Frauen schnell wieder ihre Arbeit nach dem Mutterschutz aufnehmen. Zwar hatten wir auch Schwierigkeiten, einen öffentlichen KiTa-Platz zu bekommen und eine Zusage kam erst nach dem zweiten Anlauf – aber wir hätten notfalls auch schon eine Nounou am Start gehabt – und zwar eine Tagesmutter, die nur zwei Hausnummern weiter von uns wohnt und selbst 9 von ihren 13 Berufsjahren in einer KiTa angestellt war. Ansonsten gibt es hier auch noch zahlreiche andere Alternativen wie zum Beispiel Teilzeitkitas, private Einrichtungen (die finanziell ebenfalls staatlich unterstützt werden), KiTas direkt beim Arbeitgeber oder Elternkitas, die staatlich mitbetreut werden. Wir haben schließlich den frei gewordenen öffentlichen KiTa-Platz angenommen (wie schon für unseren ersten Sohn), da es für uns die beste Betreuungslösung war und auch weiterhin ist: eine sichere Einrichtung mit Fachpersonal (das Team besteht aus ausgebildeten Betreuern, einer Kinderärztin, einer Kinderpsychologin, zwei Köchen und einer KiTa-Leiterin), genügend Platz, kindgerechter Einrichtung und anderen Babys im gleichen Alter. Und sie liegt gleich ums Eck neben dem Kindergarten und der Grundschule. Also prinzipiell alles, was das Kind braucht, aber auch die Eltern, um beruhigt in die Arbeit fahren zu können und sich dort auf das zu konzentrieren, was einen erwartet. Unser Kleiner wurde schon mit viereinhalb Monaten zwei Wochen lang langsam ans KiTa-Leben gewöhnt und hatte bis heute (13einhalb Monate) keine Mama-Papa-Entzugserscheinungen o.ä. 🙂 Auch hat mich niemand deshalb schräg angesehen. Im Gegenteil: ich wurde von allen Seiten unterstützt: Familie, französische Freunde und Bekannte, der KiTa und der PMI (einer öffentlichen Mama-Kind Einrichtung). Selbst musste ich erst wieder lernen, mich deshalb nicht schuldig zu fühlen – ich kannte ja noch ein anderes Erziehungsmodell, das süddeutsche, mit Mama daheim. Jetzt sehe ich alles sehr gelassen und ich fühle mich im Gleichgewicht als „Working-Mama“. Mein Sohn entwickelt sich so wie es sein soll, fremdelt sehr wenig für sein Alter und hat in der KiTa einen sich jeden Tag ähnelnden geordneten Tagesablauf, so wie er es braucht. Komme ich abends von der Arbeit, freut er sich riesig mich zu sehen und ich genieße die Zeit mit meinen beiden Kindern. Klar, quantitativ gesehen, verbringe ich viel weniger Zeit mit ihnen als Vollzeitmamis – aber qualitativ gesehen, vielleicht genauso gut. Und darauf denke ich kommt es an! Jedenfalls scheint es meinen beiden Kindern nichts auszumachen, dass ich arbeite – es ist völlig normal, denn sie sind es so von klein auf gewohnt. Anders sieht es dagegen aus mit der deutschen Verwandtschaft und auch einige deutsche Freunde, die schon immer wieder kritisch darauf reagiert, dass ich so schnell wieder die Arbeit aufgenommen habe. Hier bedarf es noch viel Aufklärungsbedarf: hohe Lebenshaltungskosten, kein Elterngeld und nur wenig Kindergeld lassen einem in Frankreich oft keine andere Wahl, als schnell wieder einzusteigen, da das Zweitgehalt dringend benötigt wird. Dafür gibt es wiederum finanzielle Unterstützung und Steuervorteile für die Kinderbetreuung in Frankreich. Es wird einem also letztlich leichter gemacht, wieder zu arbeiten, als ganz daheim zu bleiben. Möglich, dass auch das ein Grund dafür ist, dass in Frankreich die Geburtenrate immer noch am höchsten in Europa ist.

Wiedereinstieg: Das Arbeitsumfeld spielt eine große Rolle

Was mich selbst betrifft, kann auch ich mich über meinen Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht beklagen. Das liegt aber sich auch an meinem Arbeitgeber – denn dort bin ich nicht die einzige Mama. Im Gegenteil, in unserer Abteilung gibt es fast nur in Vollzeit arbeitende Eltern, darunter viele Mamas mit sogar drei Kindern und auch in den obereren Management-Abteilungen viele Frauen mit Kindern – zum Beispiel wird die Finanzabteilung von einer zweifachen Mama geleitet, die Marketingabteilung von einer dreifachen. Dass ich von Kollegen dumm angesprochen wurde, weil ich nach meinem Mutterschutz ziemlich bald wieder ins Büro zurück kam, ist mir hier noch nie passiert. Auch gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf die gleiche bzw. ähnliche Stelle wie vor dem Mutterschutz. Ich konnte also sicher sein, meinen Arbeitsplatz wieder so vorzufinden wie ich ihn vor meiner Auszeit an meinen Chef überlassen hatte – der in dieser Zeit meinen Arbeitsanteil mit übernahm. Und ich habe die volle Unterstützung meines Mannes. Sobald er verfügbar ist, bringt oder holt er die Kinder zur/von der KiTa/Schule und packt auch im Haushalt mit an. Ideale Bedingungen also für mich, um mich schnell wieder in die alte Arbeit einzufinden und die neue Situation unter einen Hut zu bringen. Klar, auch in Frankreich gibt es keine globale Wunschlösung. Frauen, die gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchten, müssen große finanzielle Einschnitte in Kauf nehmen. Eine längere Auszeit geht also nur, wenn der Mann finanziell ausgleichen kann. Und dass die Papas die Kinderbetreuung ganz übernehmen, ist ziemlich undenkbar. Wahrscheinlich wäre ein Mix aus beiden Ländern eine sehr gute Lösung… Und ganz wichtig ist auch: Alle müssen an einem Strang ziehen und uns Frauen unterstützen, egal für welche Form der Kinderbetreuung wir uns letztlich entscheiden. Was denkt ihr? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Und was wäre wünschenswert? Ich würde mich sehr über Nachrichten von euch freuen…

Viele Grüße aus Frankreich

Karoline

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